Sie möchten sich als Therapeutin oder Therapeut selbständig machen? Herzliche Gratulation! Haben Sie sich schon für eine Rechtsform entschieden? Anhand von drei praktischen Beispielen zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag die wichtigsten Unterschiede zwischen Einzelfirma und GmbH auf.

Tina: Mini-Praxis neben fixem Hauptjob

Nach mehr als 10 Jahren als Wirtschaftsprüferin in einem Grossunternehmen, wo harte Kopfarbeit gefragt ist, braucht Tina (38) zum Ausgleich eine Tätigkeit, bei der sie mit dem Körper arbeiten kann. Sie schliesst eine Ausbildung als Fussreflexzonen- Therapeutin ab und möchte diesen Beruf neben ihrem 80%-Pensum als Wirtschaftsprüferin ausüben. Vom Nebenjob möchte sie nicht leben, sondern sieht diese Aufgabe als ein bezahltes Hobby. Freitags ist sie bei einer befreundeten Masseurin im Praxisraum eingemietet und empfängt dort ihre Stammkundschaft.

Tina muss keine Firma gründen. Sie kann ihre Einnahmen als Therapeutin in ihrer privaten Steuererklärung als Nebenverdienst angeben. Die geschäftsnotwendigen Aufwände wie Raummiete, Weiterbildungen, Berufskleider oder Fachliteratur kann sie von den Steuern abziehen.

Wichtig: Wenn der Reingewinn aus Tinas selbständiger Tätigkeit als Fussreflexzonen-Therapeutin mehr als 2’300 Franken im Jahr beträgt, muss sie sich bei der SVA (Sozialversicherungsanstalt) für die Abgabe von Sozialversicherungen anmelden.

Katja: Viel Freiheit, bescheidenes Kapital, geringer Aufwand

Da die Erziehung und Betreuung von Katjas (49) Kindern immer weniger Zeit in Anspruch nimmt, hat die Krankenschwester und Mutter sich endlich ihren Herzenswunsch erfüllt: eine Ausbildung als Ayurveda-Therapeutin. Nun will sie ihren alten Beruf im Kantonsspital an den Nagel hängen und sich mit viel Elan ihrer Praxis widmen. Sie hat ein kleineres Startkapital von 10’000 CHF gespart und das Glück, einen gemütlichen und praktischen Therapieraum im Anbau des Eigentumshauses einrichten zu können. Katja und ihr Ehemann entscheiden sich, dass Katja ein Einzelunternehmen gründet.

Diese Rechtsform ist in diesem Fall ideal: Katja geht mit ihrer Praxis kein grosses Risiko ein, und es stört sie deshalb auch nicht, dass sie mit ihrem Privatvermögen haftet. Zudem ist bei einem Einzelunternehmen der Verwaltungsaufwand sehr gering. Ausserdem kann dadurch eine Doppelbesteuerung vermieden werden: Katjas Einkünfte werden zusammen mit den restlichen Familieneinkünften versteuert.

Wichtig: Ab einem Umsatz von 100’000 Franken muss Katja ihre Einzelfirma ins Handelsregister eintragen und eine MwSt-Nummer beantragen. Bei Katja ist die Gründung einer Einzelfirma sinnvoll. Ihre Praxis heisst: „Katja Seiler – Ayurveda Praxis“ , denn bei einer Einzelfirma muss der Familienname im Namen enthalten sein.

Tom: Ambitiöse Ziele, professioneller Auftritt, mehr Verwaltungsaufwand

Der erfahrene Physiotherapeut Tom (36) möchte mit zwei Kollegen eine Gemeinschaftspraxis eröffnen. Er entscheidet sich, eine GmbH zu gründen, um seiner Praxis einen möglichst professionellen Auftritt zu geben. Für die GmbH braucht man im Minimum ein Stammkapital von 20’000 Franken: Dieses Geld hat Tom aus einem Erbe für seine Selbstständigkeit zur Seite gelegt. Er möchte der Inhaber der Praxis sein, seine Kollegen wird er als Mitarbeitende anstellen. Da Tom bald heiratet und die Gründung einer Familie sein grösster Wunsch ist, will er auf Nummer sicher gehen: Im Falle eines Konkurses der Firma wird er nicht mit seinem Privatvermögen haften.

Dass er für die Firmengründung einer GmbH etwas mehr Geld in die Hand nehmen muss und der Gewinn wie auch eine allfällige Dividende versteuert werden müssen, und dass eine GmbH auch mehr Aufwand bedeutet (z.B. das Führen einer doppelten Buchhaltung), stört ihn nicht. Er plant, seine Selbstständigkeit in den nächsten Jahren so oder so weiter auszubauen. Langfristig sieht Tom sich als Inhaber von mehreren Gemeinschaftspraxen für Physiotherapie – den Namen dafür hat er schon: „Physiolicious GmbH“. Bei der GmbH ist die Namensgebung frei – auch reine Phantasiebezeichnungen sind möglich – solange keine gleich lautende GmbH in der Schweiz bereits besteht. Die Vorteile der Einpersonen-GmbH eignen sich für sein Vorhaben.

Quelle: Ueli Grüter, Rechtsanwalt und Dozent an der Hochschule Luzern HSLU
Weitere Infos rund ums Thema Firmengründung: https://blog.hslu.ch/smart-up/
Weitere Informationen zu Ueli Grüter: https://gsplaw.ch/

Und Sie? Können Sie sich schon für eine Rechtsform entscheiden? Hier nochmal die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick:

Übersicht Vor- und Nachteile Einzelunternehmen

Vorteile Nachteile
Grosse unternehmerische Freiheit InhaberIn haftet mit dem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen
Keine Vorgaben zur Höhe des Startkapitals Besitzverhältnisse sind öffentlich einsehbar
Keine Doppelbesteuerung (Einzelunternehmen fahren steuerlich gesehen tendenziell günstiger) Firmenname ist nicht frei wählbar (der Familienname des Inhabers muss im Geschäftsnamen enthalten sein)
Gründung: keine Formalitäten, wenig Gebühren Steuern: keine getrennte Besteuerung von Geschäfts- und Privateinkommen und –vermögen (Nachteile bei der Progression)

Wichtig: Ab einem Umsatz von CHF 100’000 muss man ein Einzelunternehmen ins Handelsregister eintragen lassen und eine MwSt-Nummer beantragen.

Quelle und weiterführende Infos: https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/kmu-gruenden/firmengruendung/auswahl-rechtsform/einzelfirma.html

Übersicht Vor- und Nachteile einer GmbH

Vorteile Nachteile
Relativ geringes Grundkapital erforderlich (mind. CHF 20’000) im Vergleich mit einer AG (Aktiengesellschaft) Höhere Gründungskosten als bei der Einzelfirma (rund CHF 2’000 – 3’000)
Haftung beschränkt sich auf das Stammkapital Doppelbesteuerung auf Ertrag und Kapital der GmbH sowie dem Einkommen und dem Vermögen der Gesellschafter
Freie Namenswahl (der Zusatz GmbH ist jedoch obligatorisch), solange keine gleich lautende GmbH in der Schweiz bereits eingetragen ist Besitzverhältnisse sind öffentlich einsehbar
Steuerfreier Kapitalgewinn möglich bei Verkauf der Stammeinlage Erhöhter Verwaltungsaufwand (Protokolle, Gesellschafterversammlung, etc.)

Quelle und weiterführende Infos: https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/kmu-gruenden/firmengruendung/auswahl-rechtsform/gmbh.html